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„Unsere Wolfdogs sind Filmstars!“

Aktualisiert: März 15


Daniela und Miguel beim Spazierengehen mit zwei ihrer Wolfsdogs.

Wir werden oft mit der Frage nach so genannten Hybriden konfrontiert. Leider hat eine Reportage, die wohl ursprünglich für den TV-Sender arte produziert war und nun noch einmal in fast allen dritten Programmen der ARD wiederholt wird, nicht für Aufklärung, sondern für Konfusionen gesorgt. In der Reportage wurden sämtliche Begriffe rund um Wölfe, Hunde und Mischlinge durcheinander geworfen, so dass Zuschauer wohl den Eindruck gewannen, dass in Deutschland massenweise ausgesetzte „Hybriden (in der Umgangssprache direkte Mischlinge zwischen Wolf und Hund) herumlaufen würden. Das ist nicht richtig so. Das zeigt unsere Reportage mit dem Tiertrainer und Wolfsexperten Miguel de la Torre. Seine „American Wolfdogs“ sind Filmwölfe. Auch Lobine und Co. sind natürlich Hunde und keine Wölfe.


Es gab in Deutschland drei Fälle von Mischlingen von wild lebenden Wölfen mit Hunden. Diese so genannten „Hybriden“ werden frei geboren und sie sind im Grunde nicht anders als Wölfe. Die so genannte Hybridisierungsrate in Deutschland liegt bei nur 1,1 %. Mischlinge waren bislang durch EU-Gesetze genauso streng geschützt wie echte Wölfe. Leider ist dies durch die Änderung des Bundesnaturschutzgesetzes (Lex Wolf) nun nicht mehr so. Frei geborene Mischlinge dürfen jetzt abgeschossen werden. Da diese Änderung aber nicht EU-konform ist, besteht durchaus die Hoffnung, dass sich hieran auch wieder etwas ändert.

Etwas völlig anderes sind „gezüchtete“ Wolfshunde. Hier gibt es die anerkannten Rassen Tschechoslowakischer Wolfshund und Saarloos Wolfshund und Tamaskane sowie die nicht offiziell anerkannte Rasse Marxdorfer Wolfshund und American Wolfsdogs sowie Mischlinge aus diesen Rassen. All diese Hunde haben in der Tat einen höheren Wolfsanteil als „normale Hunde“, dennoch sind sie weder „Hybriden“, noch Wölfe, sondern sie sind Hunde. Warum ist das so? Keines dieser Tiere ist eine 50/50-Mischung aus einem echten Wolf und einem Hund. All diese Wolfshunderassen werden seit Jahren nur untereinander gezüchtet. Weder ist ihr Anteil in Tierheimen eklatant höher als bei anderen Rassen, noch ist der Prozentsatz an ausgesetzten Hunden höher. Wir haben den Filmtiertrainer Miguel de la Torre ja schon für unseren Film Menschen für Wölfe interviewt. Hier habe wir nun auch noch eine Reportage zum Thema „American Wolfdogs“ als Filmwölfe. Auch Lobine und Co. sind natürlich Hunde und keine Wölfe.


Wir befinden uns inmitten einer Schweizer Bergkulisse. Ein Wolf nähert sich mit leisen Schritten Kindern, die Ziegen hüten. Dann fletscht er bedrohlich die Zähne. Sind die Kinder in Gefahr? Im Film „Schellen Ursli“ schlägt ein kleiner Junge den Wolf mit seiner Stimme in die Flucht. Was in dem Kinofilm spannend und gefährlich wirkt, ist in Wirklichkeit die schauspielerische Glanzleistung der Filmwölfin Lobine. Sie ist ein American Wolfdog und sie hat Ursprungsahnen, wie bereits der Wolf, der mit Kevin Costner in dem berühmt gewordenen gleichnamigen Film tanzt. „Allerdings fletscht Lobine nicht wegen den Kindern die Zähne, sondern weil sie unsere Tschechoslowakische Wolfshündin nicht mag. Wir bringen sie in ihre Nähe und dann zeigt Lobine, dass sie die Hünding nicht mag," verrät Miguel (43) den Trick. „In Wahrheit ist Lobine sehr menschenbezogen und sie mag auch Kinder sehr.“

Damit diese Szene so echt im Film aussieht, ist viel Training notwendig. Zirka 20 Minuten am Tag lernen die Tiere auf Kommando zu rennen, auf Kisten zu springen und auf einem Stein, dem so genannten Target, ruhig stehen zu bleiben. „Unsere Tiere erleben das Training allerdings wie ein Spiel und sie werden mit Leckerlis belohnt,“ erklärt Miguel. „Für den Kinderfilm lebte unser ganzes Filmtierrudel ein halbes Jahr mit den Schauspielern und den Machern des Films zusammen. Immer mit dabei: Ihr Wolfsmobil, ein Bus, den der Tiertrainer so umgebaut hat, dass die Wölfe gefahrlos zu den Filmsets reisen können. Mittlerweile sind sie sogar europaweit unterwegs. Lobine, Lobeline, Lopane und Co. spielen in "Bibi und Tina", "Tatort", "Tschick, die dunkle Seite des Mondes" und in vielen anderen Streifen mit.


Auch für Shootings werden sie gebucht. Lobine stand auch schon mit Veronica Ferres und Maria Furtwängler vor der Kamera.

Warten auf die Belohnung: Die Wolfsdogs bekommen gleich Leckerlis.

Angst, dass sich Lobine unerlaubt vom Set entfernt, hatte Miguel damals überhaupt nicht. „Lobine ist ein echter Profi und sie hat ein absolut ruhiges und offenes Naturell, von dem auch unsere Nachwuchsstars profitieren.“ In einer anderen Szene macht Lobine einen Satz über die Kinder hinweg. „Das würde ein Wolf nie tun. In Wirklichkeit ist Lobine auf eine Kiste gesprungen und auf der anderen Seite wieder herunter. Der Film wurde dann so geschnitten, dass es so aussieht, als wäre sie über die Kinder gesprungen,“ erklärt Miguel. Daniela und Miguel leben mit ihren tierischen Filmstars bei Hannover. Dabei ist alles dem Wohlbefinden der Tiere untergeordnet. Das Gartenareal ist in zwei große Gehege untergliedert, in der die Familienmitglieder des Rudels untergebracht sind, wenn Daniela und Miguel nicht zu Hause sind. „Normalerweise dürfen sie aber bei uns freilaufen. So kommt es auch, dass ein "Wolf" auf dem Sofa Platz nimmt. Was für andere Leute außergewöhnlich ist, erleben wir als ganz normal.“



Daniela mit Lobine. Ein vertrautes Paar.

Daniela arbeitet als Künstlerin und hat sich auf dem Familienanwesen eine Galerie aufgebaut. Viele ihrer Werke haben das Thema Wolf als Schwerpunkt. Für die Haltung seiner Tiere brauchte Miguel eine besondere Genehmigung und auch die Nachbarn erklärten sich einverstanden. „Unsere Tiere leben zwar wie Wölfe in einem Familienverband, es sind aber keine Wölfe, sondern Hunde. Und es gibt noch einen Unterschied: Normalerweise wandern Jungwölfe ab, um eine neue Familie zu gründen. Miguel: "Bei uns leben drei Generationen friedlich unter einem Dach.“ Der Informatiker und Geologe und Daniela leben inzwischen von den Filmgagen, die ihre Tiere einbringen. Reich werden sie durch ihren Beruf allerdings nicht. „Wir haben unsere Leidenschaft für die Tiere zum Beruf gemacht. Und sie danken es uns jeden Tag mit ganz viel Liebe."

Ihre Tiere bekommen täglich hochwertiges Trockenfutter sowie frisches Fleisch mit Knochen. Auch für echte Wölfe hatten die beiden schon immer ein Faible. „Es sind faszinierende Beutegreifer, die sich auch einen Platz in unserer Natur mehr als verdient haben. Freilebende Wölfe sind für Menschen nicht gefährlich. Auch in Deutschland nicht. Eher ist es umgekehrt. Naturentfremdung und mangelnder Wille, die Tiere zu dulden, führen dazu, dass noch immer Wölfe illegal abgeschossen werden. Obwohl der Wolf europaweit zu denen am strengsten geschützten Tieren gehört. Dabei müsste doch inzwischen jeder wissen, dass Rotkäppchen lügt,“ klagt Daniela an.



Schmeißt uns Miguel gleich ein Leckerli zu? Miguel de la Torre beim Training mit seinen tierischen Freunden.

Studien ergeben sogar, dass Wölfe ganze Regionen positiv verändern können. Wie am Beispiel des Yellow Stone National Park. In den achtziger Jahren des vergangenen Jahrhunderts werden dort mit großem Erfolg Wölfe ausgewildert, um gegen Waldschäden vorzugehen. So hoffen Miguel und Daniela mit ihren Tieren auch etwas zum Image von Wölfen beitragen zu können. „Wir können auch in Deutschland mit wilden Wölfen leben, wenn wir es nur wollen.“ Wie kamen die beiden auf die Idee, ihre Tiere zu Filmwölfen auszubilden? „Früher wurden oft Schäferhunde oder Tschechoslowakische Wolfshunde für Filmeinsätze genommen. Leider wirkten diese Tiere oft nicht wie echte Wölfe. So kamen wir auf die Idee, mit unseren American Wolfdogs zu arbeiten, genauso wie es die Vorbilder in Hollywood tun. Diese Tiere haben einen höheren Wolfsanteil und sind vom Wolf nur noch schwer zu unterscheiden. Wolfsdogs sind umgänglicher als normale Wölfe. Sie haben deshalb auch keinen Stress bei den Aufnahmen.“

Daniela und Miguel sorgen auch für einen Ausgleich zur Arbeit am Filmset. „Wenn wir nach dem Job durch sind, gehen wir ganz normal mit ihnen spazieren, dabei wirken unsere Stars (fast) wie ganz normale Hunde.“



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